NABU-Thema des Monats

- jeden Monat neu -
Einmal monatlich veröffentlicht der NABU Rhein-Lahn einen selbstverfassten Beitrag zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes in den Verbandsgemeindeblättern von Diez, Bad Ems, Nassau, Katzenelnbogen und Hahnstätten. An dieser Stelle finden Sie den jeweils jüngsten Text.

 

September 2018:  Apfel-Apotheke

Gewaltig sind die Massen an Obst, die derzeit die Äste vieler Bäume herabdrücken; der Boden um ihre Stämme ist von Früchten bedeckt. 2018 ist ein typisches „Mastjahr“, in dem Apfel- und Birnbäume, Eichen und Buchen, Kastanien und Nussbäume reiche Frucht tragen. Das ist ein Segen für zahlreiche Zugvogelarten, die hier noch einmal Kraft tanken. Standvögel und Säugetiere können sich jetzt nach dem dürren Sommer für die harte Winterzeit Fettspeicher anfressen und Nahrungsvorräte anlegen. Zahlreiche Insektenarten profi-tieren ebenfalls von dem üppigen Nahrungsangebot.

Aber auch wir Menschen sollten nun zugreifen. Äpfel gibt es nämlich für alle Lebenslagen und Bedürfnisse. Wer etwas für seine Gesundheit tun will, sollte am Apfel nicht vorbeigehen. Denn dieses Obst enthält eine Komposition aus Mineralstoffen (Eisen, Kalium, Natrium, Magnesium, Calcium), Spurenelementen (Jod, Kupfer, Zink, Phosphor), Vitaminen (ein Viertel des Tagesbedarfs an Vitamin C je Apfel, dazu Vitamin E) sowie wertvolle Ballaststoffe, vor allem Pektin. In der Hausmedizin lassen sich Äpfel vielseitig einsetzen, unter anderem gegen Durchfall, Darmentzündung, Herzschwäche, Eisenmangel, hohe Blutfettwerte (Cholesterin), dazu zur Stärkung des Immunsystems, zur Zahnpflege und auch zur Gewichtsreduzierung. Das wusste schon die Großmutter, die z.B. bei Magen- und Darmleiden geriebenen Apfel empfahl - die heutige Medizin gibt ihr Recht! Der tägliche Genuss von möglichst zwei bis drei Äpfeln wappnet unseren Körper also gegen akute Erkrankungen und wirkt zudem vorbeugend gegen viele Zivilisationskrankheiten. Weiterhin gilt der alte Satz „An apple a day keeps the doctor away“, das heißt „Ein Apfel am Tag, mit dem Arzt keine Plag'“!

Nun mag man einwenden, dass zwei bis vier Millionen Deutsche als Apfelallergiker gelten; Apfelunverträglichkeiten sind somit ein Massenphänomen. Doch die Unver-träglichkeiten treten normalerweise nur bei Rohverzehr auf; gekochte, gepresste und auch geschälte Äpfel sind meist unkritisch. Viel wichtiger zu wissen ist jedoch, dass es sich nach neuesten Erkenntnissen nicht um eine allgemeine Unverträglichkeit sämtlicher Kernobstsorten handelt, sondern um eine Allergie gegen jene süßen Neuzüchtungen, denen die gesundheitlich wertvollen, aber säuerlich schmeckenden Polyphenole weggezüchtet wurden. Polyphenole gehören zu den krebshemmenden sekundären Pflanzenstoffen und verhindern zudem, dass die allergieauslösenden Eiweißstoffe vom Körper aufgenommen werden. Wer also allergisch auf den Genuss der in den Supermärkten vorherrschenden Apfelsorten Braeburn, Cox, Golden Delicious, Granny Smith und Jonagold reagiert, sollte einmal Äpfel aus gesundem Streuobstanbau kosten. Zu empfehlen sind dabei die Sorten Boskoop, Berlepsch, Goldparmäne, Gravensteiner, Topaz und Jamba. Diese Sorten sind auch auf Wochenmärkten regelmäßig erhältlich.

Mit ihrem Kauf unterstützt man zusätzlich den praktischen Naturschutz, denn naturnahe Streuobstwiesen gehören zu den wertvollsten und artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Wer gesunde und geschmackvolle Äpfel isst, fördert somit den Artenschutz, die Erhaltung vieler alter und robuster Obstsorten in regionaler, umweltfreundlicher Produktion und damit letztlich die genetische Vielfalt unseres Planeten.

 

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