NABU-Thema des Monats

- jeden Monat neu -
Einmal monatlich veröffentlicht der NABU Rhein-Lahn einen selbstverfassten Beitrag zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes in den Verbandsgemeindeblättern von Diez, Bad Ems, Nassau, Katzenelnbogen und Hahnstätten. An dieser Stelle finden Sie den jeweils jüngsten Text.

 

Juli 2018:  Nicht nur schwarz und weiß

Normalerweise verhandeln wir hier Sachthemen – heute wollen wir dagegen von einer persönlichen Begegnung erzählen. Am Monatsanfang wurden wir als Imker und Naturfreunde zu einer Präsentation nach Berghausen im Einrich gebeten: Ein konventioneller Landwirtschaftsbetrieb beschreitet dort neue Wege und lädt Imker zur Kooperation ein. Wir fanden uns zusammen mit rund 20 Besuchern an einem sattgelben Sonnenblumenfeld ein, wo uns die Landwirte ihr Konzept vorstellten: Statt der Beschränkung auf das übliche Masseneinerlei – Weizen, Mais, Gerste – wagen sie den Versuch, mit altbewährten Ölpflanzen ihre Produktvielfalt zu erhöhen und zugleich die Artenvielfalt zu fördern. Im Vortrag und den nachfolgenden Gesprächen verhehlten sie zwar nicht ihre konventionelle Wirtschaftsweise mit gezieltem Dünger- und Herbizideinsatz, zugleich erläuterten sie aber das Potential ihrer Anbauflächen als Insektenweiden für Wildarten und Honigbienen. Auf einem Teil ihrer 130 Hektar Betriebsflächen wachsen außer Sonnenblumen auch Lein, Leindotter, Hanf, Kümmel, Raps, dazu als Mastfrüchte Erbsen, Hafer und andere. Bis zu elf Arten werden kultiviert. Die Ölsaaten werden zu hochwertigen Sortenölen kaltgepresst und im gehobenen Segment des regionalen Handels direkt vermarktet. Dazu braucht es Risikobereitschaft und unternehmerische Initiative, doch die Diversifizierung macht den Betrieb weniger abhängig von der allgemeinen Agrarkonjunktur und trägt zum Fortbestand des relativ kleinen Betriebes bei. Uns beeindruckt daran die gewollte ökologische Wertigkeit dieses Anbaus: Die sehr abwechslungsreiche Fruchtfolge belebt den Boden, die giftarmen offenblütigen Ölpflanzen sind auf Insektenbestäubung angewiesen und liefern lebenswichtiges Futter in einer sonst monotonen Feldflur auch in nahrungsknappen Zeiten. Spätreifende Kulturen wie Hanf und Sonnenblumen bieten zudem Schutz und Nahrung für Säuger und Vögel in einer ab August kahlen Landschaft.
 
Man sieht an diesem Beispiel, dass es in der Landwirtschaft nicht nur „schwarze“ Agrarindustrielle und „weiße“ Biobauern gibt, sondern auch viele Zwischentöne alternativer Wirtschaftsweisen: Trotz Ertragsorientierung und konventioneller, gleichwohl sparsamer eingesetzter Hilfsmittel können sie erheblich zur regionalen Biodiversität beitragen und ein Miteinander von Landwirtschaft, Imkern, Jagd und Naturschutz anstreben. Das erkennen wir sehr gerne an, auch wenn wir den Ökolandbau weiterhin als Optimum betrachten.
 
Last not least wollen wir von den ebenfalls anwesenden Mitgliedern der Aktionsgemeinschaft „Blühendes Berghausen“ berichten: Wer weiß, wie schwer es ist, im Ehrenamt fleißige Helfer zu finden, der kann es kaum glauben, dass sich in einem 330-Seelen-Dorf regelmäßig bis zu 60 Freiwillige unter der Führung des Ortsbürgermeisters zusammenfinden, um Biotope wie Bachauen, Trockenhänge, Kiesgruben, Streuobstwiesen, Hecken und Saumzonen zu schaffen und zu erhalten. Ihre Arbeiten haben die „Bergeser“ Naturschützer in einer anschaulichen Broschüre dargestellt. Diese besondere Gruppe steht vor dem umgekehrten Problem, das normalerweise im Ehrenamt vorherrscht: Ihr mangelt es nämlich nicht an Helfern, sondern an Spendeneinnahmen. Gerade auch finanzielle Unterstützer sind daher herzlich willkommen!

 

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