NABU-Thema des Monats

- jeden Monat neu -
Einmal monatlich veröffentlicht der NABU Rhein-Lahn einen selbstverfassten Beitrag zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes in den Verbandsgemeindeblättern von Diez, Bad Ems, Nassau, Katzenelnbogen und Hahnstätten. An dieser Stelle finden Sie den jeweils jüngsten Text.

 

April 2018:  NABU-Pestizidbericht

Arme Feldflur: Nutzungsintensivierung, Überdüngung und nicht zuletzt der hohe Pestizideinsatz haben in den letzten Jahrzehnten zu einem massiven Verlust von Artenvielfalt und Lebensräumen in der Agrarlandschaft geführt. Das sieht man zum Beispiele an folgenden Pflanzenarten, die ihren Lebensraum im Namen tragen und früher weit verbreitet waren – heute stehen sie als bedrohte Seltenheiten auf der Roten Liste: Acker-Ehrenpreis, Acker-Frauenmantel, Acker-Fuchsschwanz, Acker-Gauchheil, Acker-Glockenblume, Acker-Hundskamille, Acker-Hornkraut, Acker-Ringelblume, Acker-Rittersporn und Acker-Rose. Dasselbe gilt für viele Tierarten, zum Beispiel für Feldhamster, Feldhase, Feldhummel, Feldgrille, Feldlerche, Feldspitzmaus und Feldsperling.
 
Nicht erst seit Bekanntwerden des Insektensterbens fordern auch Politiker ein Umsteuern in der Landwirtschaft: So hat die grün-schwarze Landesregierung Baden-Württembergs ein Programm zur Pestizidreduktion angekündigt, allerdings noch ohne konkrete Ziele. Da wollte der NABU Baden-Württemberg nachhelfen und hat daher vor einem Monat den ersten Pestizidbericht für Baden-Württemberg vorgestellt, in dem er nicht nur eine Pestizidreduktion um 50% bis zum Jahr 2025 fordert, sondern auch ausgehend von der heutigen Lage anhand verschiedener Umsetzungsstrategien wissenschaftlich nachweist, wie dieses Ziel realisiert werden könnte. Unter https://baden-wuerttemberg.nabu.de/natur-und-landschaft/landwirtschaft/landesagrarpolitik/24100.html ist der Bericht als PDF erhältlich.
 
Aus seiner Analyse des Status Quo wird das ganze Ausmaß der Belastung deutlich: Rund 2.300 Tonnen Pestizide werden jedes Jahr allein im Weizen-, Gerste-, Mais-, Raps-, Zuckerrüben-, Kartoffel-, Wein- und Apfelanbau eingesetzt. Davon entfallen die Hälfte auf Fungizide und ein Drittel auf Herbizide, der Rest auf Insektizide und Wachstumsregulatoren. Das umstrittene Glyphosat ist mit 203 Tonnen pro Jahr auch in Baden-Württemberg das am häufigsten eingesetzte Herbizid. Erschreckend ist, dass viele Flächen bis zu zehnmal im Jahr mit Pestiziden behandelt werden. Bemerkenswert ist auch, welche Kulturpflanzen besonders häufig gespritzt werden: Äpfel und Weinreben machen zwar nur 6% der Anbaufläche der acht untersuchten Anbaukulturen aus, es werden dort aber 44% aller Pestizidwirkstoffe ausgebracht!
 
So muss es nicht bleiben: Bereits durch Ausdehnung bestehender Ansätze zum pestizidfreien Weizenanbau auf das gesamte Land würde sich die Fläche, auf der Pestizide ausgebracht werden, um fast die Hälfte reduzieren. Das zeigt deutlich, dass der NABU mit dem Ruf nach einer Halbierung des Pestizideinsatzes bis 2025 keine unrealistischen Forderungen stellt. Der bislang behauptete angebliche Mangel an Daten und Fakten zum Pestizideinsatz ist widerlegt und die Politik kann jetzt mit konkreten Zielen tätig werden, die durchaus ambitioniert sein dürfen: Die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten sind vorhanden! Die Ergebnisse des NABU-Pestizidberichts wurden zwar für Baden-Württemberg ermittelt, geben aber auch wichtige Hinweise für das Wein- und Ackerland Rheinland-Pfalz: Wann werden wir also hierzulande konkrete Pestizidreduktionsziele erleben?

 

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