NABU-Thema des Monats

- jeden Monat neu -
Einmal monatlich veröffentlicht der NABU Rhein-Lahn einen selbstverfassten Beitrag zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes in den wöchentlichen Amtsblättern der Verbandsgemeinden des Rhein-Lahn-Kreises. An dieser Stelle finden Sie den jeweils jüngsten Text.

 

April 2019:  Feldhecken

Es erscheint paradox: Wer aus der Siedlung in die Feldflur tritt, erlebt viel zu oft, dass er eine reich gegliederte Heckenlandschaft verlässt und in eine ausgeräumte Agrarzone wechselt. Das war einmal anders: Noch vor wenigen Jahrzehnten strukturierten Feldhecken die Landschaft und bildeten oft einen zweiten Waldrand mit wertvollen Funktionen. Wege waren weithin sichtbar markiert und wurden vor Sonne, Wind und Regen geschützt. Das Vieh fand dort neben Schutz auch Nahrung, die Menschen Blüten, Früchte und Nutzholz. Hinzu kam der Schutz vor Hitze und Kälte, vor Erosion und Austrocknung des Ackerbodens. Kaum bewusst war man sich damals der unersetzlichen ökologischen Heckenfunktionen als vielfältiger Lebensraum von Pflanzen und Tieren, die sich mit der noch abwechslungsreichen und extensiven Landwirtschaft gut vertrugen. Buchstäblich Hunderte heute oft seltener biologischer Arten konnten so zusammen mit dem Menschen existieren.

Im Zuge der Umgestaltung dieser lebensfreundlichen Landschaften zu maschinenge-rechten, intensiv bewirtschafteten Agrarproduktionsflächen wurden die störenden Hecken gerodet. Mit ihnen verschwand neben der biologischen Vielfalt ein wesentliches Element der Landschaftsschönheit und unserer Lebensqualität. Verbliebene Hecken und auch Neupflanzungen werden oft stiefmütterlich auf Reststreifen begrenzt, wo sie als „grüne Jägerzäune“ keine Saumzonen entwickeln können und so ökologisch funktionsarm bleiben. Der natürliche Heckenaufbau erfordert nämlich meterbreite Blütensäume vor und hinter der Haupthecke. Fehlen sie, so entfällt das spezielle gemäßigte Heckenklima und es wächst die Anfälligkeit der Hecke z.B. für Austrocknung. Damit sinkt ihre Eignung als biologischer Lebensraum und Ausbreitungspfad wichtiger Tier- und Pflanzenarten, von denen auch die Landwirtschaft profitiert. Mehr noch: Die Menschen müssen auf ein kostbares Landschaftselement verzichten, das messbaren Nutzen stiftet und Teil ihrer Heimat war.

Das müsste nicht sein, denn es ist möglich und sinnvoll, Feldhecken richtig zu pflegen und zu erweitern: Vordringlich ist eine hinreichende Raumgewährung für Säume und Heckenkörper von mindestens zwölf Metern Breite. Hinzu kommt die geeignete Sortenwahl heimischer Arten wie Weißdorn, Hasel, Vogelbeere, Liguster, Schlehe, Schneeball, Kreuzdorn, Kornellkirsche, Roter Hartriegel, Holzapfel, Wildbirne, Heckenkirsche, Heckenrosen, Hainbuche, Roter und Schwarzer Holunder, Salweide und weitere. Eingestreute Bäume wie Eiche, Linde, Esche, Kirschen, Elsbeere und Feldahorn vervielfältigen die ökologische Wertigkeit. Solche Hecken müssen nicht jährlich teuer in Kastenform geschnitten werden, sondern entwickeln einen stabilen, arttypischen Aufbau, der bloß alle zehn bis zwanzig Jahre einer Stockpflege bedarf. Die jährliche Mahd der Blütenpflanzen in der Saumzone ist unproblematisch. Hecken dieser Art erfreuen den Besucher mit Blüten, Früchten, Schmetterlingen. In ihnen lassen sich Goldammern, Rotkehlchen, Neuntöter beobachten. Auf dem Boden finden sich Igel, Wiesel, Eidechsen und Laufkäfer. Versteckt leben dort Feldhase, Fasan und Rebhuhn. Es lohnt sich also!

 

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