NABU-Thema des Monats

- jeden Monat neu -
Einmal monatlich veröffentlicht der NABU Rhein-Lahn einen selbstverfassten Beitrag zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes in den wöchentlichen Amtsblättern der Verbandsgemeinden des Rhein-Lahn-Kreises. An dieser Stelle finden Sie den jeweils jüngsten Text.

 

Juli 2019:  Elektroschund

„Die Axt im Haus erspart den Zimmermann“, das wusste schon Friedrich Schiller. Heutzutage begeistert sich mehr als die Hälfte der Deutschen fürs Heimwerken, darunter ein Drittel Frauen. Zu Recht, denn Selbermachen bringt Spaß, Stolz und spart Geld. Doch während noch vor 20 Jahren eine Blechkiste voll Handwerkzeug samt Schlagbohrmaschine und Stichsäge üblich war, füllen die Gerätschaften vieler Heimwerker heute ganze Kellerregale – der Do-It-Yourself-Markt boomt.

Ein Grund dafür ist das große Angebot billiger Elektrowerkzeuge in Baumärkten und bei Discountern. Früher dem Profi vorbehaltene Maschinen sind dort für kleines Geld zu haben, darunter Exoten wie Hochentaster, Schweißgeräte und Bandsägen: Made in China macht’s möglich! Die Umweltzerstörung, der Raubbau an Ressourcen und an Arbeitskräften in Fernost kommt in den Schleuderpreisen nicht zum Ausdruck. Viele dieser Geräte gelangen praktisch nie zum Einsatz. Das ist manchmal besser so, denn nicht wenige sind laut Stiftung Warentest so minderwertig, dass sie schon nach kurzer Zeit ausfallen: echter Elektroschund. Auch positive Beispiele gibt es, aber letztlich bestimmt der Preis die Qualität. Weil eine Reparatur nicht lohnt und oft unmöglich ist, wandert der Schrott dann in die Mülltonne oder, noch übler, in den Straßengraben. Für Unterhaltungs- und Küchenelektrogeräte gilt leider dasselbe.

Zurück zum Werkzeug: Nachdem bis vor kurzem jede denkbare Maschinengattung mit Stromkabel oder Benzintank die Reklameprospekte füllte, halten dort jetzt Akkugeräte Einzug. Kein Wunder, denn die bequeme und leistungsstarke Lithium-Technik ermöglicht es, den Kunden die vorhandenen Maschinen erneut zu verkaufen. Unter Umweltaspekten ist das noch schlechter, denn zum Ressourcenverbrauch überflüssiger Geräte kommt die Ausbeutung seltener Rohstoffe für die Erzeugung kurzlebiger Akkus hinzu. Zudem passen die Akkus oft nur an das zugehörige Gerät, so dass gemessen am Bedarf zu viele Akkus und Ladegeräte erzeugt werden. Fast 60% davon enden in Deutschland im Hausmüll und schaffen Entsorgungsprobleme. Hier werden Grundstoffe und Kapazitäten vergeudet, die zum Beispiel für die Einführung der Elektromobilität und den Ersatz von Einwegbatterien noch dringend benötigt werden. Die künftige Verfügbarkeit von Kobalt, Lithium und seltenen Erden, dazu von Germanium, Gallium und Platin halten viele Experten für unsicher.

Was also tun? Die Lösung ist natürlich nicht, sich künftig auf Schillers Axt zu beschränken. Aber Heimwerker können einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten, wenn sie sich vor dem Kauf nüchtern fragen, welches Gerät sie wirklich benötigen und wenn sie Hersteller bevorzugen, die für ihre hochwertigen Akkus über viele Jahre eine große Zahl passender, solider, reparierbarer Maschinen und damit nachhaltige Systeme anbieten. Mittlerweile versuchen sich sogar Discounter an solchen Lösungen. Also: Lieber das wirklich Nötige in dauerhafter Qualität kaufen – gerne auch gebraucht – und das weniger Nötige ausleihen oder gemeinsam mit Freunden und Nachbarn anschaffen. Das ist nicht nur besser für die Umwelt, sondern letztlich sogar günstiger. Und wenn die Geräte und Akkus irgendwann entsorgt werden müssen, dann bitte immer entsprechend gesetzlicher Verordnung bei den Händlern und den kommunalen Sammelstellen. Nur so sind freigesetzte Gifte zu vermeiden und wertvolle Inhaltsstoffe zu recyceln.

 

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