NABU-Thema des Monats

- jeden Monat neu -
Einmal monatlich veröffentlicht der NABU Rhein-Lahn einen selbstverfassten Beitrag zu Themen des Umwelt- und Naturschutzes in den wöchentlichen Amtsblättern der Verbandsgemeinden des Rhein-Lahn-Kreises. An dieser Stelle finden Sie den jeweils jüngsten Text.

 

Juni 2019:  Feldwege

„Dumm wie drei Meter Feldweg ungeteert!?“  Keineswegs! Unbefestigte Feldwege sind eine wichtige Sache und viel komplexer, als der flüchtige Blick eröffnet.

Die frühere Wertschätzung der Feldwege richtete sich nach ihrem damals noch weithin bekannten Nutzen: Offensichtlich fungieren sie als Flächenbegrenzung sowie als Wanderbrücke für Mensch und Tier. Aber als typischer „gestörter Standort“ sind Feldwege zudem ein Lebensraum wertvoller Heilpflanzen wie Gänsedistel, Wermut, Beinwell, wilde Möhre, Schafgarbe, Pfefferminze, Hundskamille, Mohn, Brennnessel, verschiedene Kleesorten und manche mehr. Somit wächst dort die gesamte „Hasenapotheke“, die früher für Mensch und Vieh geerntet wurde. Entsprechend sorgfältig wurden diese Wege erhalten und gepflegt. Auch heute noch sprechen wir bei Feldwegen von ökologisch bedeutsamen Strukturelementen – leider zu selten gesäumt von kostbaren Feldhecken –, die zum einen die lokale Artenvielfalt steigern und zum anderen als Ausbreitungspfad natürlicher Arten zwischen ökologischen Inseln und Trittsteinen wirken. Und den menschlichen Spaziergängern verhelfen sie zu Wohlempfinden und Naherholung.

Aus Sicht ihrer heute vorherrschenden agrarindustriellen Nutzer fällt das Urteil jedoch anders aus: Feldwege sind bestenfalls Fahrstrecken (und dann möglichst asphaltiert), ansonsten aber Unkrautquellen, Störelemente landwirtschaftlicher Großflächen und generell unproduktive Landverschwendung. Deshalb verschwinden seit Jahren in Deutschland Tausende an Kilometern von Feldwegen, die nicht ganz zufällig bei der Feldbestellung umgeackert und als Anbauflächen rechtswidrig angeeignet werden.

Rechtswidrig deswegen, weil im Zuge der Flurbereinigungen viele vormals private Feldwege in öffentliches Eigentum übergingen und dabei stets eine Mindestbreite von drei Metern aufweisen mussten. Sie sind somit überwiegend ein Allgemeingut, dessen oben dargelegte positive Wirkungen allen zustehen. Es ist niemandem gestattet, sie zu schmälern oder gar zu beseitigen. Derlei Zerstörungen sind strafbar und ausgleichspflichtig, aber „wo kein Kläger, da kein Richter“. Aus Sicht des Naturschutzes ist es daher kein Querulantentum, sondern eine wichtige Bürgerpflicht, die Beseitigung von Feldwegen anzuzeigen – bei der Kreisverwaltung, der Polizei, beim Bürgermeister oder dem Gemeinderat.

Wer sich nicht sicher ist, ob an einem bestimmten Ort ein Feldweg oder eine andere Landmarke vorliegen müsste (oder wer bloß sein eigenes Grundstück ausmessen möchte), der kann einfach und kostenlos über das Internet im Landschaftsinformationssystem LANIS (https://geodaten.naturschutz.rlp.de/) nachschauen. Dort findet man Luftbilder jeder Gemeinde mit eingetragenem Verlauf der Feldwege einschließlich deren Wegebreite. Daraus wird schnell klar, ob jemand der Allgemeinheit Feldwege entzogen hat. In der Regel ist danach auch der Urheber unschwer auszumachen.

Aber zum Glück sind noch viele Feldwege gut erhalten: Genießen Sie sie doch am nächsten Wochenende bei einem Spaziergang!

 

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